Fr 19. Dez 2008, 23:34
KatharinenpalastDer Katharinenpalast, auch Jekaterinenpalais oder Großer Palast (Екатерининский дворец), befindet sich in Puschkin (früher Zarskoje Selo), etwa 25 Kilometer südlich von Sankt Petersburg. Der Palast war Zeit seiner Existenz Zarenresidenz und Ort vieler Feste und Intrigen.
Der Landstrich Ingermanland, in dem Zarskoje Selo sich befindet, fiel 1617 an Schweden. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) wurde er dem russischen Reich wieder einverleibt. Damals befand sich an der Stelle des heutigen Katharinenpalastes ein kleines russisches Landgut mit der Bezeichnung ‚Sariza‘. Die Schweden hatten ‚Sariza‘ in ihrem Sprachgebrauch zu ‚Saritzhof‘ umgeändert, um anzuzeigen, dass sich darauf ein Herrschaftshaus befand.

Teil des Katharinenpalastes ist die
Eremitage.
Alle Hauptwege des „Alten Gartens“ laufen auf die Eremitage zu. Erster Architekt des kleinen Schlösschens war Michail Zemzow, der es im Herbst 1744 im Rohbau vollenden konnte, bald darauf jedoch verstarb. Zwei Jahre lang drang Wind und Wetter in den Pavillon, ehe an ihm weitergearbeitet wurde, diesmal unter der Leitung von Rastrelli, der den Bau nach seinen Plänen 1756 in vollkommen abgeänderter Gestalt vollenden konnte. Das Erdgeschoss der Eremitage war für die Bediensteten bestimmt. Ein ziemlich enges Treppenhaus führte in den ersten Stock, der fast vollständig von einem großen Saal eingenommen wurde. Dort zog das illusorische Deckengemälde von Valeriani, „Gastmahl im Olymp“, das einen offenen Himmel vortäuschte, die Blicke nach oben. Die Decken der vier seitlich angeordneten Kabinette malten Vater und Sohn Valeriani, Gradizzi und Peresinotti mit Szenen aus den Metamorphosen des Ovid aus. Da die Zarin beim Essen nicht gerne von vielen Dienern umgeben war, hatte Rastrelli einen hydraulischen Tisch eingerichtet, der von der Küche im Erdgeschoss mit Winden in den Saal hochgehoben werden konnte. Zur Bedienung des komplizierten Hebemechanismus’, der im Keller verborgen war, benötigte man zwölf Arbeiter. So blieb die illustre Gesellschaft beim Speisen unter sich. Nach dem Mahl ließ man den Tisch einfach nach unten und aus dem Speisesaal wurde ein Ballsaal.
Mit Zarskoje Selo war von Anfang an ein
Lustgarten verbunden. Elisabeth ließ den Garten, der unter Katharina I. noch bescheidene Ausmaße hatte, beträchtlich erweitern und im französischen Stil umgestalten. Im 18. Jahrhundert wurde ein fürstlicher Schlossgarten als „Fortsetzung des Ballsaals im Freien“ verstanden. Den östlichen Teil des Parks nannte man den „Alten Park“, weil er auf Katharina I. zurückging. Doch haben unter Elisabeth die bescheidenen Anlagen ihr Gesicht vollkommen gewechselt. Elisabeth ließ abgestufte Terrassen anlegen und sie durch baumbeschattete Wege in regelmäßige Flächen aufteilen; sie ließ ausgewachsene Bäume mit dichten Kronen aus Holland, Deutschland oder Italien importieren. Dichte Heckenwände dienten als Hintergrund für Statuen. Gab es für die Gestaltung des „Alten Gartens“ gewisse Anhaltspunkte aus der Zeit von Katharina I., so musste der „Neue Garten“ zwischen dem Katharinenpalast und dem Tierpark quasi „aus dem Nichts“ geschaffen werden. Mit den Arbeiten wurde 1745 begonnen. Nachdem die Arbeiten beim Tod Elisabeths 1761 eingestellt wurden, ging der „Neue Garten“ später in den Landschaftsanlagen des Alexanderparks auf.
Grotte am großen Teich Rastrelli stellte 1753–1757 an den Rand des Großen Teiches seine Grotte. Ein nicht näher bezeichneter Hofrat Rossi aus Italien leitete die Arbeiten und die innere Ausschmückung des Pavillons. Es war damals modern, in den Schlössern einige Zimmer, in den Parkanlagen einzelne Pavillons mit Muscheln und Tuffstein auszuschmücken. Ein solches Zimmer befand sich auch im Katharinenpalast, da es aber unter eindringender Feuchtigkeit litt, wurde es beseitigt, und man schmückte den neuen Pavillon mit seinen Muscheln.